Wie kommunizieren eigentlich Menschen miteinander, denen es in erster Linie auf Ihre Wirkung ankommt?
Es ist spannend, wie der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber (1878 – 1965, Vater der Dialogphilosophie) die Kommunikation zwischen Menschen analysiert, denen es lediglich darauf ankommt, ein bestimmtes Bild von sich, eine Wirkung beim anderen entstehen zu lassen, die auf bloßem Schein beruht. Er bezeichnet solche unauthentischen Menschen als „Bildmenschen“. Man lasse sich einmal folgende Analogie auf der Zunge zergehen:
„Stellen wir uns zwei Bild-Menschen vor, die beieinander sitzen und miteinander reden. Nennen wir sie Peter und Paul und zählen wir die Figurationen nach, die dabei mit im Spiel sind. Da sind erstmal der Peter, wie er dem Paul erscheinen will, und der Paul wie er dem Peter erscheinen will. Sodann der Peter, wie er dem Paul wirklich erscheint, Pauls Bild von Peter also, das im Allgemeinen keineswegs mit dem von Peter gewünschten übereinstimmen wird, und vice versa. Dazu noch Peter, wie er sich selbst, und Paul, wie er sich selbst erscheint. Zu guter Letzt noch der leibliche Peter und der leibliche Paul. Zwei lebende Wesen und sechs gespenstische Scheingestalten, die sich in das Gespräch der beiden mischen. Wo bliebe da noch Raum für die Echtheit des Zwischenmenschlichen?“
Leicht gekürzt aus: Martin Buber, Elemente des Zwischenmenschlichen, Originalvortrag 1963, Auditorium Netzwerk, 2007